Zusammenfassung
KI-Antworten in der Schweiz stützen sich zu fast 60 % auf die Websites der Anbieter selbst. Wie stark das gilt, hängt vom KI-System und von Ihrer Branche ab.
Mit unserem Tool Aurora haben wir gemessen, worauf sich KI-Antworten in der Schweiz stützen. Dafür haben wir vom 19. bis 22. Oktober 2026 täglich 51 Fragen zu 17 Branchen in vier Clustern (Recht, Finanzen, Versicherungen, Dienstleistungen) gestellt, jeweils auf Deutsch, Englisch und Französisch, und jede Quelle erfasst, die ChatGPT, Google AI Mode, Google AI Overviews, Gemini und Perplexity dabei zitieren. Jede Quelle ordnen wir einem Typ zu: Anbieter, Vermittler, Institutionen, Medien, Unabhängige, Nutzerinhalte, Plattformen und Sonstige.
Anbieter stellen fast 60 % aller Zitationen in der Schweiz
Die häufigste Quelle einer KI-Antwort sind anbietende Unternehmen selbst: 58,9 % aller Quellenangaben entfallen auf Anbieter-Websites. Es folgen Vermittler mit 23,5 %, also Vergleichsportale, Verzeichnisse und Vermittlungsplattformen. Institutionen wie Behörden, Verbände und Hochschulen kommen auf 8,2 %.
Drei Werte fallen kleiner aus, als oft angenommen wird. Medien erreichen 3,4 %. Nutzerinhalte wie Bewertungsportale und Foren kommen auf 1,1 %, soziale Netzwerke und Videoplattformen zusammen auf 0,2 %. Unabhängige Blogs liegen mit 4,0 % vor beiden. Das viel zitierte Reddit ist Teil dieser 1,1 % und beeinflusst die Sichtbarkeit in unserem Sample kaum.

Einzelne Websites haben jedoch deutlich mehr Einfluss
Der Anteil allein sagt wenig darüber, wie das Feld aufgebaut ist. Die 58,9 % der Anbieter verteilen sich auf 775 verschiedene Websites. Die 23,5 % der Vermittler stammen dagegen von nur 110 Websites.
Daraus folgt eine einfache Rechnung: Eine einzelne Vermittler-Website wiegt in den Antworten deutlich schwerer als eine einzelne Anbieter-Website. Wer in einem der grossen Vergleichsportale korrekt geführt ist, erreicht mehr als mit einer weiteren eigenen Unterseite. Die Abbildung unten zeigt das.

Jedes KI-System zitiert anders
Die fünf Systeme kommen zu unterschiedlichen Quellen, obwohl sie dieselben Fragen beantworten. Auch zwischen den KI-Systemen von Google gibt es Unterschiede.
ChatGPT stützt sich am stärksten auf Anbieter selbst: 74 %. Google AI Mode liegt mit 47 % am anderen Ende und zitiert mit 15 % am häufigsten Institutionen. Perplexity nutzt mit 30 % am meisten Vermittler. Medien zitiert Google AI Mode mit 6 % am häufigsten, knapp vor Perplexity mit 5 %. Gemini greift mit 10 % deutlich häufiger auf unabhängige Blogs zurück als die anderen Systeme.
Für die Praxis heisst das: Eine Sichtbarkeitsmessung, die nur ein System betrachtet, zeigt ein verzerrtes Bild. Für Nutzerinnen und Nutzer von GEO- oder AEO-Tools heisst das aber auch: Ein gemittelter Wert über alle Systeme zeigt oft nicht die Traffic-Realität. Im letzten Artikel haben wir gezeigt, dass ChatGPT in der Schweiz den mit Abstand höchsten Marktanteil hat. Die Quellen von ChatGPT sind damit auch die wichtigsten für eine GEO-Optimierung.

Die Quellen für KI-Sichtbarkeit unterscheiden sich je Branche
Was für die KI-Systeme gilt, zeigt sich auch bei den Schweizer Branchen. Bei Versicherungen stammen 37 % der Quellen von Vermittlern, im Recht nur 21 %. Wer eine Versicherung sucht, bekommt also häufiger eine Antwort, die auf Vergleichsportalen beruht, als jemand, der einen Anwalt braucht.
Im Finanzbereich fällt ein anderer Wert auf: 11 % der Quellen sind unabhängige Blogs, mehr als doppelt so viel wie in jedem anderen Cluster. Bei Fragen zur Vorsorge und zur Geldanlage zitieren die Systeme private Autorinnen und Autoren häufiger als Institutionen. Hier gewichten die Systeme Unabhängigkeit offenbar höher.

77 % der Zitationen kommen von 25 % der Websites
Wir messen täglich. Das zeigt, wie stabil die zitierten Quellen über die Zeit sind, und die Antwort lautet: nur zum Teil.
Von 1095 Websites, die in vier Tagen zitiert wurden, erschienen 507 an genau einem Tag, 210 an zwei Tagen und 111 an drei. Nur 267 Websites wurden an allen vier Tagen zitiert. Sie tragen 77 % der Zitationen und sind damit die wertvollsten für eine GEO-Optimierung (auch LLMO oder AEO genannt). Der Rest ist ein deutlich weniger wertvoller Long Tail.
Eine einmalige Messung erfasst also zu einem grossen Teil Quellen, die am nächsten Tag nicht mehr vorkommen. Unsere Empfehlung an alle Marketing-Profis, die mit Aurora oder anderen Tools messen: Verteilen Sie die Messung auf viele Messpunkte und über die Zeit, um die wichtigsten Quellen zu identifizieren.


Was heisst das für Schweizer Unternehmen?
- Messen Sie über alle Systeme und regelmässig. Beim Anbieteranteil liegen ChatGPT (74 %) und Google AI Mode (47 %) 27 Prozentpunkte auseinander, und fast jede zweite Quelle taucht nur an einem Tag auf.
- Die eigene Website ist die Grundlage, die Portale sind der Hebel. Anbieter stellen zwar fast 60 % der Quellen, verteilt auf 775 Websites. Eine einzelne Vermittler-Website wiegt deshalb schwerer als eine zusätzliche eigene Seite.
- Arbeiten Sie am Kern, nicht an der Masse. 267 Websites tragen 77 % der Zitationen. Diese Liste lässt sich für Ihre Branche bestimmen und abarbeiten.
Ob und wie Ihr Unternehmen in diesen Antworten vorkommt, zeigt der kostenlose Sichtbarkeits-Check.
Methodik
51 Prompts aus 17 Branchen in vier Branchen-Clustern: Recht (6 Branchen), Finanzen (4), Versicherungen (4) und Dienstleistungen (3: Marketingagenturen, Personalvermittlung, Unternehmensberatung), je auf Deutsch, Englisch und Französisch. Tägliche Abfrage vom 19. bis 22. Oktober 2026 über fünf KI-Systeme: ChatGPT, Google AI Mode, Google AI Overviews, Gemini und Perplexity. Keiner der Prompts nennt ein Unternehmen; gefragt wird, was eine Kundin oder ein Kunde fragen würde.
Grundlage der Auswertung sind vier Messtage mit 7167 Zitationen auf 1095 Quell-Domains. Jede Domain ist einem Quellentyp zugeordnet. Anteile sind gerundet, die Summe kann daher von 100 % abweichen. Vier Tage sind eine Momentaufnahme und kein Trend.
Quellen
Eigene Messung von Aurora Intelligence, Kampagne «Schweizer Sichtbarkeit», Oktober 2026. Methodik und Quellenklassifizierung auf Anfrage.